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Berliner Schnauze und orientalischer Flair im Caffè Cult


Spiesen-Elversberg (dh). Bürgermeister Reiner Pirrung hatte – wie jedes Jahr – zu seinem Caffè Cult eingeladen in der Glückauf-Halle Elversberg und kredenzte einen bunten Mix der Kleinkunst vom Feinsten. Den musikalischen Auftakt machte der Hausherr gar selbst und griff bei „Maike & the Mechanics" zu den Schlagstöcken. Das Niederwürzbacher Quartett mit Frontfrau Maike Pirrung stimmte das Publikum mit bekannten Songs wie „This is the life" à la Amy McDonald oder Marit Larsens „Out of my hands"" auf einen unterhaltsamen Abend ein. Anschließend wurde die Glückauf-Halle mit „Elmiras Orient" zum Schauplatz orientalischer Tänze; Elmira ließ mit ihrer Tanzgruppe den Hauch von 1001 Nächten förmlich spüren und heizte dabei mit sinnlich-erotischem Tanz dem Publikum ein. Anschließend gelang es Arno Meiser trotz so viel vorangegangener anmutiger Darbietung, die Heiterkeitzeit auszurufen. Er trug amüsante Gedichte über die alltäglichen Dinge des Lebens vor und verführte mit treffsicheren Pointen zum Lachen und Schmunzeln. Da wurden die zwischenmenschlichen Charaktereigenschaften genauso auf die Schippe genommen wie die der Schwiegermutter.

Musikalisch wurde der Bogen weiter gespannt mit Charel alias Charles Tritz. Der multitalentierte Saargemünder und Gründungspräsident des sozial engagierten Vereins „Agir ensemble" bot einige der größten Hits des französischen Rockstars Johnny Hallyday dar. Im Anschluss servierte der moderierende Bürgermeister das Blechbläser-Quintett „Quodlibet" aus Rheinland-Pfalz, welches mit Eva-Maria Leonardy durch Gesang und Klavier begleitet wurde. Das Repertoire der Blechblas-Formation unter der Leitung von Tristan Vinzent performte unterschiedliche Musikepochen und Stilrichtungen. Ein fester Bestandteil des Caffè Cult sind Bilderausstellungen, die das bunte Programm umrahmen. So wies Bürgermeister Reiner Pirrung auf die ausgestellten Aquarell-Bilder der verstorbenen Spiesen-Elversberger Künstlerin Elisabeth Bosslet hin.

Überall blüh’n Neurosen

Nach der Pause marschierten die Ottentaler durch die Glückauf-Halle und erturnten die Bühne. Die 20 Mann (und Frau)-starke Musik-Turn-Truppe aus Lautzkirchen strapazierte durch ihre Slapstick-Akrobatik die Lachmuskeln der Zuschauer. Elmiras Orient überzeugte noch einmal mit anmutigen Tänzen bevor der Stargast des Kleinkunstabends auf die Bühne trat: Irmgard Knef. Natürlich nicht Hildchen, die ist ja schon verblichen. Nein, es war die jüngere Zwillingsschwester Irmgard, die den Weg von Berlin nach Spiesen-Elversberg gemacht hatte, um ihre späte Alterskarriere als Chanson-Kabarettistin zu feiern. Hinter der Bühnenerscheinung der Irmgard Knef steckt ein Mann: Ihr Erfinder und Darsteller ist Ulrich Michael Heissig.

Schwarzhumorig und schnodderig schoss sie (oder er) locker die Bonmots aus der etwas steif gewordenen Hüfte. Bekannte Melodien mit neuen textlichen Inhalten – alte Weisen in neuen Schläuchen oder doch lieber Neues einer Altersweisen, die auch mal auf dem Schlauch steht? Eine satirische Ode an die Vitalität dieser unverwüstlichen Berlinerin. Da werden die bekannten Liedmelodien der Diva oder anderer Chansonstars kurzerhand „altersgerecht" umgedichtet. Aus Gilbert Bécauds „L’important c’est la rose" wird bei Irmgard „Überall blüh’n Neurosen".

Das Publikum brachte den Künstlern am Ende des abwechslungsreichen Abends seine Begeisterung mit Standing Ovation und frenetischem Applaus zum Ausdruck.